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Arbeitnehmerüberlassung für PHP-Entwickler

Was ist ANÜ, wie funktioniert sie und lohnt sie sich? Der komplette Guide für IT-Fachkräfte.

ANÜ Guide · Rechte & Pflichten · Stand: 2026

Was ist Arbeitnehmerüberlassung?

Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) – umgangssprachlich auch Zeitarbeit oder Leiharbeit genannt – ist ein Beschäftigungsmodell mit drei Parteien. Die rechtliche Grundlage bildet das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG).

Du (Leiharbeitnehmer)

Du bist beim Verleiher angestellt, arbeitest aber beim Endkunden.

Verleiher (Personaldienstleister)

Dein Arbeitgeber. Er zahlt dein Gehalt und kümmert sich um Verwaltung.

Entleiher (Endkunde)

Das Unternehmen, bei dem du tatsächlich arbeitest und deine Aufgaben erledigst.

Du bist beim Verleiher angestellt, arbeitest aber vor Ort oder remote beim Endkunden. Das klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber in der IT weit verbreitet – besonders bei DAX-Konzernen, Behörden und im Mittelstand.

Große Personaldienstleister im IT-Bereich sind unter anderem Hays, Gulp, Etengo, Computer Futures und Modis. Sie vermitteln PHP-Entwickler an Endkunden und übernehmen die gesamte Vertragsabwicklung.

Warum gibt es ANÜ in der IT?

Lange war die IT-Welt einfach: Unternehmen brauchten einen Entwickler für ein Projekt, beauftragten einen Freelancer, fertig. Doch mit der Reform des AÜG 2017 begann ein Umdenken – und seit 2023/2024 hat sich ANÜ in der IT-Branche massiv durchgesetzt. Die Deutsche Rentenversicherung führt seitdem verstärkt Statusfeststellungsverfahren durch.

Das Problem: Viele Freelancer arbeiteten monatelang bei einem einzigen Kunden, vor Ort, mit festen Arbeitszeiten und in Teams eingebunden. Rechtlich war das keine Selbstständigkeit, sondern Scheinselbstständigkeit – mit massiven Nachzahlungen für Sozialversicherungsbeiträge. Betroffen waren nicht nur die Freelancer, sondern auch die Endkunden.

Die Folge: DAX-Konzerne, Banken und Behörden stellten ihre Beschaffung um. Statt Freelancer direkt zu beauftragen, liefen externe Projektkräfte fortan über Personaldienstleister in der Arbeitnehmerüberlassung. Für den Endkunden ist das rechtlich sauber – das Risiko der Scheinselbstständigkeit liegt beim Verleiher.

Deshalb ist ANÜ heute kein „schlechteres Freelancing", sondern die Antwort auf ein rechtliches Problem, das Freelancer und Endkunden gleichermaßen betrifft. Wer heute als externer PHP-Entwickler bei einem Konzern arbeiten will, kommt an ANÜ oft nicht vorbei.

Warum zahlt ANÜ mehr als Festanstellung — aber weniger als Freelancing?

ANÜ-Positionen sind fast immer für erfahrene Spezialisten: temporäre Projekteinsätze, bei denen sofortige Expertise gefragt ist. Das Gehalt liegt daher 10–20 % über vergleichbaren Festanstellungen — als Ausgleich für die fehlende langfristige Bindung. Gegenüber Freelancern ist das Gehalt niedriger, weil der Verleiher Sozialversicherung, Lohnfortzahlung, Urlaub und das Risiko projektloser Zeiten übernimmt. Netto betrachtet ist der Unterschied zum Freelancer kleiner als er auf den ersten Blick aussieht.

Wie funktioniert der Prozess?

Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Projekteinsatz – so läuft ANÜ in der Praxis ab:

1

Kontaktaufnahme

Der Personaldienstleister kontaktiert dich (z. B. über LinkedIn oder Jobportale) oder du bewirbst dich direkt bei ihm.

2

Vorstellungsgespräch

Zunächst ein Gespräch beim Verleiher, danach oft ein technisches Interview beim Endkunden. Der Endkunde entscheidet, ob du zum Projekt passt.

3

Arbeitsvertrag mit dem Verleiher

Du unterschreibst den Arbeitsvertrag mit dem Personaldienstleister – nicht mit dem Endkunden. Darin sind Gehalt, Urlaub und Kündigungsfristen geregelt.

4

Einsatz beim Endkunden

Du arbeitest vor Ort oder remote beim Endkunden, bist aber rechtlich Mitarbeiter des Verleihers.

5

Abrechnung

Der Endkunde zahlt einen Stundensatz an den Verleiher. Der Verleiher zahlt dir ein festes Monatsgehalt – unabhängig davon, wie viel der Endkunde zahlt.

6

Projektende

Wenn das Projekt endet, sucht der Verleiher das nächste Projekt für dich. In der Zwischenzeit bist du in der sogenannten Bank-Zeit – du wirst weiter bezahlt, auch ohne Einsatz.

Deine Rechte als ANÜ-Kraft

Als ANÜ-Kraft bist du kein Arbeitnehmer zweiter Klasse. Das AÜG sichert dir umfangreiche Rechte zu:

Rechte als ANÜ-Kraft im Überblick
RechtDetails
KündigungsschutzVolles KSchG wie bei Festanstellung
Lohnfortzahlung6 Wochen bei Krankheit
UrlaubMindestens 24 Tage, oft 28–30
Equal Pay (ab 9 Monate)Branchenzuschläge nach iGZ/BAP-Tarifvertrag
Equal Pay (ab 18 Monate)Gleiche Vergütung wie vergleichbarer Festangestellter
ÜbernahmeEndkunde darf dich jederzeit übernehmen (keine Ablösepflicht nach 18 Monaten)
SozialversicherungVoller Schutz (Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung)
WeiterbildungVerleiher ist zur Qualifizierung verpflichtet (§ 11 AÜG)

Wichtig: Die 18-Monats-Regel für Equal Pay gilt pro Einsatz beim selben Entleiher. Ein Wechsel des Endkunden setzt die Frist zurück. Achte bei Vertragsverhandlungen auf die Branchenzuschlagsregelung – sie kann dein Gehalt schon ab dem 9. Monat spürbar erhöhen.

Gehalt und Stundensätze

Bei ANÜ gibt es zwei Perspektiven: Was der Endkunde dem Verleiher zahlt und was bei dir ankommt. Die Differenz ist die Marge des Verleihers.

Gehalt und Stundensätze für PHP-Entwickler in der ANÜ
LevelEndkundensatzDein Gehalt (ca.)Äquivalent-Stundensatz
Junior55–70 €/h44.000–52.000 €/Jahr~27–32 €/h brutto
Mid-Level70–90 €/h56.000–68.000 €/Jahr~34–42 €/h brutto
Senior85–110 €/h68.000–85.000 €/Jahr~42–52 €/h brutto
Lead/Architect100–130 €/h80.000–95.000 €/Jahr~49–58 €/h brutto

Die Marge des Verleihers

Die Marge liegt typischerweise bei 25–40 %. Das klingt viel, deckt aber Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeberanteil ~20 %), Verwaltung, Akquise, Vertrieb und das Risiko projektloser Zeiten ab. Dein Gehalt ist unabhängig von der Auslastung – auch in der Bank wirst du bezahlt.

Vorteile der ANÜ

Einstieg in Großkonzerne

DAX-Konzerne und Behörden stellen oft nur über ANÜ ein. ANÜ ist dein Fuß in der Tür.

Keine Scheinselbstständigkeit

Rechtlich sauber – du bist Arbeitnehmer, kein Schein-Freelancer. Kein Risiko für dich oder den Kunden.

Kein unternehmerisches Risiko

Lohnfortzahlung auch zwischen Projekten – die sogenannte Bank-Zeit ist bezahlt.

Projektvielfalt

Du lernst verschiedene Unternehmen, Tech-Stacks und Branchen kennen – ideal für deine Entwicklung.

Übernahme-Chance

Viele Unternehmen nutzen ANÜ als verlängerte Probezeit – mit konkreter Übernahmeoption.

Kein Verwaltungsaufwand

Keine Buchhaltung, keine Steuererklärung als Selbstständiger, keine Rechnungsstellung.

Nachteile der ANÜ

Geringeres Gehalt

20–35 % weniger als Freelancer, 5–15 % weniger als direkte Festanstellung beim selben Unternehmen.

Kein direktes Verhältnis zum Kunden

Du bist Externer – manchmal spürbar in der Teamdynamik und bei internen Entscheidungen.

Abhängigkeit vom Verleiher

Dein nächstes Projekt bestimmt der Verleiher, nicht du. Du hast weniger Einfluss auf Einsatzort und Aufgaben.

Weniger Verhandlungsmacht

Der Verleiher verhandelt den Stundensatz mit dem Endkunden. Du verhandelst nur dein Gehalt mit dem Verleiher.

Image

ANÜ hat in der IT teils einen negativen Ruf als Leiharbeit, obwohl die Konditionen oft deutlich besser sind als in anderen Branchen.

Equal Pay erst spät

Erst nach 9–18 Monaten greift Equal Pay vollständig. Vorher kann dein Gehalt unter dem der Festangestellten liegen.

ANÜ als Karrierestrategie

ANÜ ist nicht nur ein Notbehelf – in bestimmten Situationen ist sie die strategisch klügste Wahl:

Berufseinsteiger

Schnell Erfahrung in verschiedenen Unternehmen sammeln. Du lernst unterschiedliche Codebases, Teamstrukturen und Prozesse kennen – das beschleunigt deine Entwicklung enorm.

Branchenwechsler

Einstieg in Banken, Versicherungen oder Automotive ohne Direktbewerbung. Viele dieser Branchen besetzen IT-Stellen fast ausschließlich über ANÜ.

Rückkehrer nach Elternzeit

Sanfter Wiedereinstieg mit Sicherheitsnetz. Du kannst dich in Ruhe wieder einarbeiten, ohne sofort den Druck einer Festanstellung.

Freelancer mit Scheinselbstständigkeits-Risiko

Wenn du als Freelancer nur einen Kunden hast, fest in dessen Team eingebunden bist und Weisungen erhältst – dann ist ANÜ die rechtssichere Alternative.

Einstieg bei Wunsch-Arbeitgeber

Viele Konzerne stellen zunächst nur über ANÜ ein. Nutze die ANÜ als Probezeit mit Übernahme-Perspektive – nach 6–12 Monaten erfolgt oft ein Angebot.

Scheinselbstständigkeit vermeiden

Was ist Scheinselbstständigkeit? Wenn ein Freelancer faktisch wie ein Angestellter arbeitet – feste Arbeitszeiten, Weisungsgebundenheit, Eingliederung ins Team, nur ein Auftraggeber – liegt Scheinselbstständigkeit vor. Die Folge: Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen für bis zu 4 Jahre, im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen für den Auftraggeber.

Wann droht Scheinselbstständigkeit?

  • Du arbeitest seit Monaten nur für einen Kunden
  • Der Kunde gibt dir feste Arbeitszeiten und einen festen Arbeitsplatz vor
  • Du bist weisungsgebunden und in die Teamstruktur eingegliedert
  • Du nutzt die Infrastruktur des Kunden (Laptop, E-Mail, Slack)
  • Es gibt keinen Unterschied zwischen dir und einem Festangestellten

ANÜ als Lösung

Wenn ein Projekt alle Merkmale einer Scheinselbstständigkeit hat, ist ANÜ die rechtssichere Alternative. Du bist Arbeitnehmer mit allen Rechten, der Endkunde hat Planungssicherheit, und niemand riskiert Nachzahlungen. Viele Konzerne sind deshalb komplett von Freelancer-Verträgen auf ANÜ umgestiegen.

Im Zweifelsfall kannst du ein Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung (DRV) beantragen. Das Verfahren klärt verbindlich, ob eine selbstständige Tätigkeit oder ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis vorliegt.

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FAQ

Häufige Fragen zur Arbeitnehmerüberlassung

Was ist Arbeitnehmerüberlassung in der IT?

Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) ist ein Drei-Parteien-Modell: Du bist beim Personaldienstleister (Verleiher) angestellt, arbeitest aber beim Endkunden (Entleiher). Der Verleiher kümmert sich um Gehalt, Sozialversicherung und Verwaltung. In der IT ist ANÜ besonders bei Großkonzernen und Behörden verbreitet, die externe Fachkräfte über Personaldienstleister wie Hays, Gulp oder Etengo einsetzen.

Wie viel verdient man als PHP-Entwickler in der ANÜ?

Ein Senior PHP-Entwickler in der ANÜ verdient ca. 68.000–85.000 € brutto pro Jahr – typischerweise 10–20 % mehr als in einer vergleichbaren Festanstellung. Der Endkunde zahlt dem Verleiher 85–110 €/h. Junior-Entwickler starten bei 44.000–52.000 €, Mid-Level bei 56.000–68.000 € und Lead/Architekten erreichen 80.000–95.000 €.

Was ist Equal Pay in der ANÜ?

Equal Pay bedeutet, dass ANÜ-Kräfte die gleiche Vergütung wie vergleichbare Festangestellte beim Endkunden erhalten müssen. Ab 9 Monaten greifen Branchenzuschläge nach iGZ/BAP-Tarifvertrag, ab 18 Monaten im selben Einsatz hast du Anspruch auf volles Equal Pay – also das gleiche Gehalt wie ein direkt angestellter Kollege in vergleichbarer Position.

Kann man von ANÜ in eine Festanstellung wechseln?

Ja, das ist sogar sehr häufig. Viele Konzerne nutzen ANÜ gezielt als verlängerte Probezeit. Nach 18 Monaten entfällt die Ablösepflicht, aber auch vorher kann der Endkunde dich übernehmen – oft gegen eine Vermittlungsprovision an den Verleiher. Besonders in der IT sind Übernahmen nach 6–12 Monaten keine Seltenheit.

Ist ANÜ besser als Freelancing?

Das kommt auf deine Prioritäten an. ANÜ bietet Sicherheit (Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung, Sozialversicherung) und kein Scheinselbstständigkeitsrisiko. Freelancing bringt mehr Geld (oft 30–50 % mehr netto) und mehr Freiheit bei Projektwahl und Arbeitsgestaltung. ANÜ eignet sich besonders für Entwickler, die Konzernerfahrung sammeln wollen, ohne unternehmerisches Risiko.

Werden ANÜ-Kräfte schlechter behandelt?

Rechtlich sind ANÜ-Kräfte Festangestellten gleichgestellt – du hast vollen Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und ab 9–18 Monaten Equal Pay. In der Praxis hängt es stark vom Verleiher und Endkunden ab. Gute Personaldienstleister achten auf faire Behandlung, transparente Kommunikation und marktgerechte Gehälter. In der IT ist das Stigma geringer als in anderen Branchen.